SO HILFST DU BIENEN IN DEINEM GARTEN – UND TUST DER NATUR ETWAS GUTES

Der Schutz der Bienen ist eng mit der Gesundheit des gesamten Gartens verbunden. Ein bienenfreundlicher Garten ist automatisch ein ökologisch wertvoller Garten, der auf heimische Pflanzen setzt, vielfältige Strukturen bietet und konsequent chemiefrei bleibt. Der wichtigste Schritt ist das Schaffen eines durchgängigen Nahrungsangebots, das vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst reicht. Gleichzeitig müssen die unterschiedlichen Nistbedürfnisse der verschiedenen Bienenarten beachtet werden, um nicht nur die Honigbiene, sondern auch die seltenen und oft spezialisierten Wild- und Solitärbienen zu unterstützen.

Jeder Quadratmeter eines liebevoll gestalteten Gartens kann so zu einem essenziellen Baustein im großen Netzwerk des Bienenschutzes werden.

Kleine Helden, Existenzieller Beitrag: Warum der Bienenschutz Entscheidend Ist

Die Rolle der Bienen reicht weit über die Honigproduktion hinaus. Sie sichern unsere Nahrungsgrundlage und das Funktionieren vieler Ökosysteme.

Die Bedrohung: Habitatverlust und Monokulturen

  • Spezialisierung der Wildbienen: Viele der über 550 Wildbienenarten in Deutschland sind hochspezialisiert und benötigen nur den Pollen bestimmter Pflanzen. Durch den Verlust von Magerwiesen und Wildblumenflächen verlieren diese Arten ihre Lebensgrundlage.
  • Monokulturen: Große, einseitige Anbauflächen bieten Bienen nur kurzzeitig Nahrung und lassen sie den Rest des Jahres hungern, da die nötige abwechslungsreiche Blütenvielfalt fehlt.

Bestäubungsleistung und Ertragssicherung

  • Ökonomischer Wert: Die Bestäubungsleistung der Bienen wird weltweit auf Milliardenbeträge geschätzt. Sie sichern die Qualität und Quantität der Ernten im Obst-, Gemüse- und Ackerbau.
  • Biodiversität: Bienen sind nicht nur wichtig für unsere Ernährung, sondern auch für die Fortpflanzung unzähliger Wildpflanzen und somit für die gesamte Biodiversität.

Lerne Deine Mitbewohner Kennen: Vielfalt und Spezifische Bedürfnisse

Um gezielt helfen zu können, ist es wichtig, die Unterschiede zwischen den wichtigsten Bienenarten zu verstehen.

Die Honigbiene: Die Sammlerin der großen Völker

  • Merkmale: Lebt in großen, organisierten Völkern und produziert Honig. Sie ist ein Generalist und sammelt Nektar und Pollen von einer Vielzahl von Pflanzen.
  • Bedürfnis: Braucht ein konstant abwechslungsreiches Blütenangebot über die gesamte Saison.

Hummeln: Die Robuste Frühstarterin

  • Merkmale: Gehört zur Familie der Wildbienen. Sie ist kräftig, fliegt auch bei kühlerem Wetter und niedrigeren Temperaturen und ist eine effiziente Bestäuberin, die auch an schwer zugängliche Blüten kommt.
  • Nistverhalten: Hummeln nisten oft in vorhandenen Hohlräumen wie alten Mäuselöchern, unter Steinen oder in Komposthaufen.

Wildbienen und Solitärbienen: Die Spezialisten des Alleinlebens

  • Merkmale: Die meisten Wildbienenarten leben allein, ohne Staat. Jedes Weibchen baut ihr eigenes Nest und versorgt ihre Brut.
  • Nisttypen: Es gibt verschiedene Typen: Mauerbienen nutzen vorhandene Hohlräume Bienenhotels, Sandbienen nisten in der Erde Sandarien und Blattschneiderbienen nutzen Stängel und verschließen die Niströhren mit Blattstücken.

Nahrungsangebot: Der Blühkalender für das Ganze Jahr

Ein bienenfreundlicher Garten muss eine durchgängige Nahrungsquelle vom Frühjahr bis zum Herbst bieten.

Frühling: Die Erste Überlebenshilfe

  • Wichtige Frühblüher: Frühjahrsblüher wie Krokusse, Lungenkraut, Blausternchen, Weidenkätzchen und Obstbäume sind essenziell, da sie die ersten Nektar- und Pollenquellen liefern, wenn die Hummeln und Wildbienen aus der Winterruhe erwachen.

Sommer und Herbst: Sättigung und Vorbereitung

  • Sommer: Bieten Sie Klassiker wie Lavendel, Sonnenblumen, Glockenblumen und Borretsch.
  • Herbst: Spätblüher wie Fetthenne, Astern oder Efeu sind lebenswichtig, um die Wintervorräte der Honigbienen und die Energie der Königinnen zu sichern.

Die Auswahl: Heimisch und Ungefüllt

  • Heimische Pflanzen: Heimische Pflanzen sind besser an die Bedürfnisse heimischer Bienenarten angepasst als exotische. Setze auf Wildblumen.
  • Ungefüllte Blüten: Wähle immer ungefüllte Blüten. Gefüllte Blüten wie manche Rosen oder Petunien sehen zwar schön aus, sind aber für Bienen wertlos, da die Staubblätter in zusätzliche Blütenblätter umgewandelt wurden und Pollen und Nektar nicht zugänglich sind.

Lebensräume Schaffen: Nistplätze und Überwinterung

Bienen brauchen nicht nur Nahrung, sondern auch sichere Kinderstuben.

Das Perfekte Bienenhotel: Material und Fehlervermeidung

  • Material: Ein Bienenhotel sollte aus naturbelassenem, hartem Holz bestehen, das mit Löchern unterschiedlicher Größe gebohrt ist (drei bis zehn Millimeter Durchmesser). Schilf- oder Bambusröhrchen sind ebenfalls beliebt, müssen aber an einem Ende geschlossen sein.
  • Wichtig: Die Bohrlöcher müssen sauber und splitterfrei sein, da sich die Bienen sonst die Flügel verletzen.
  • Standort: Platziere das Hotel sonnig, trocken und regengeschützt, idealerweise nach Süden ausgerichtet.

Nisten im Boden: Sandarien für Sandbienen

  • Wildbienen im Boden: Viele Wildbienenarten, insbesondere die Sandbienen, nisten im Boden. Sie benötigen offene, unbewachsene Stellen.
  • Anlegen eines Sandariums: Schaffe eine kleine, sonnige Ecke im Garten (etwa ein Quadratmeter), die mit einer Mischung aus Sand und Lehm bedeckt ist und ungestört bleibt.

Stängel und Wildnis: Die Kinderstube im Garten lassen

  • Vertrocknete Stängel: Lasse vertrocknete Stängel von Pflanzen wie Himbeere, Distel oder Sonnenblume über den Winter stehen. Sie dienen als Niströhren. Entferne sie erst im Frühjahr, wenn die Brut geschlüpft ist.
  • Ecken für Wildnis: Ein kleines Stück unaufgeräumter Garten mit Wildkräutern und Totholz bietet wichtigen Schutz und Überwinterungsmöglichkeiten für Hummelköniginnen und andere Nützlinge.

Gärtnern Ohne Gift: Schutz vor der Chemischen Gefahr

Der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel ist die wichtigste Maßnahme für den Bienenschutz.

Systemische Gifte: Die Unsichtbare Gefahr

  • Neonicotinoide: Moderne, systemische Pestizide werden von der Pflanze aufgenommen und gelangen in den Nektar und Pollen. Sie töten die Bienen nicht sofort, stören aber ihre Navigation, ihr Immunsystem und ihre Lernfähigkeit, was zu Orientierungslosigkeit und zum Tod des Volkes führt.
  • Natürliche Alternativen: Setze bei Schädlingsbefall auf Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliegenlarven oder auf natürliche Spritzmittel auf Basis von Rapsöl oder Neemöl, die nur bei direktem Kontakt wirken und sich schnell abbauen.

Gartengesundheit Fördern

Ein vielfältiger Garten, der die natürlichen Feinde der Schädlinge fördert, ist am widerstandsfähigsten und braucht kaum Eingriffe. Vertraue auf das natürliche Gleichgewicht.

Fazit: Jeder Quadratmeter Zählt für die Artenvielfalt

Der Schutz der Bienen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die im eigenen Garten beginnt. Ob es die Anlage eines einfachen Bienenhotels, das Pflanzen einer einzigen Sonnenblume oder der konsequente Verzicht auf chemische Spritzmittel ist – jeder Schritt zählt und hilft den kleinen Bestäubern enorm.

Dein Garten wird dadurch nicht nur bunter, lebendiger und ertragreicher. Er wird auch zu einem wertvollen Teil eines großen Netzwerks, das die Artenvielfalt schützt und die lebenswichtige Arbeit der Bienen für uns alle sichert.

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